Diözese St. Pölten
Einkehrtag in
Krems St. Paul
7. März 2026
mit H. Sebastian Schmölz Can.Reg.
Ausgustiner-Chorherr von Klosterneuburg
und Pfarrer von Reinprechtspölla



































Herr Sebastian Schmölz Can.Reg., Augustiner Chorherr aus Klosterneuburg hielt einen anregenden Vortrag zum Thema Hoffnung.
Kann man in Tagen, in denen die Kirchen in Europa immer leerer werden und die Schlagzeilen mit Kriegshandlungen immer voller, noch Hoffnung haben?
Herr Sebastian hielt uns ein Buch mit weißem Einband aus Stoff hin und sagte, dass diese 400 oder 500 gr an Buchstaben unsere Hoffnung sind. Die Bibel will uns als ganzes Buch Hoffnung geben.
Er begann mit dem Propheten Jesaja. „Das Volk, das im Dunkeln lebt, dem wird ein Licht aufstrahlen….“ Im Alten Testament ist Gott selber die Hoffnung. Wir dürfen darauf hoffen, dass dem gottesfernen Europa ein Licht aufstrahlen wird. Wir dürfen uns aber auch fragen, worauf wir hoffen. Hoffnung auf starke Heere, auf Götzen, auf Reichtum, oder auf uns selber? Doch ist diese Art der Hoffnung auch alltagstauglich? Worauf haben wir unsere Kompassnadel ausgerichtet?
Mit der Frage, was gemeint sein könne, wenn Paulus in seinen Briefen davon spricht, dass Glaube und Hoffnung vergänglich seien, aber die Liebe bleibe, führte er uns direkt zum Ziel unserer größten Hoffnung: Die glückselige Gottesschau, in der wir keinen Glauben und keine Hoffnung mehr brauchen, weil wir dann wissen und erkennen. Die Liebe ist das Einzige was es dann noch gibt, denn Gott ist Liebe.
Herr Sebastian nahm in seinen Ausführungen Bezug auf die Rolle der Päpste. Zum Thema Hoffnung brachten uns sowohl Papst Benedikt mit seiner Enzyklika SPE SALVI, als auch Papst Franziskus mit der Verkündigungsbulle des Heiligen Jahres 2025 SPES NON CONFUNDIT richtungsweisende Schriften.
Nach einem lehrreichen Exkurs über die Bedeutung der Psalmen, die an wenigen Stellen (Psalm 88 und Psalm 22) nur mit dem Blick auf Christus von Hoffnung zeugen, erläuterte uns Herr Sebastian das Gleichnis des verlorenen Sohnes. Auch wenn wir aus eigenem Verschulden in Not geraten, werden wir von unserem Vater mit offenen Armen aufgenommen. In unseren tiefsten Nöten, selbst in den ausweglosesten Situationen gibt es durch Jesus Christus Hoffnung. Unser Glaube gibt uns immer Hoffnung.
Als Abschluss des Vortrages ging Herr Sebastian darauf ein, wie Papst Franziskus uns empfohlen hat, die Bibel, dieses Buch der Hoffnung, in unser Leben zu übersetzen:
Kranken Trost spenden.
Menschen mit Behinderung die Inklusion ermöglichen.
Junge Menschen unterstützen, damit sie selbstzerstörerisches Verhalten überwinden können.
Migranten ein menschenwürdiges Dasein ermöglichen.
Sicherheit, Arbeit und Bildung fördern.
Armut bekämpfen, reiche Nationen sollen armen Ländern ihre Schulden erlassen.
Ältere Menschen als wertvolle Mitglieder der Gesellschaft sehen.
Herr Sebastian hätte uns noch viel erzählen wollen, aber die Zeit war zu kurz.
Nach einer Pause durften wir in der Kapelle einen ganz besonderen Kreuzweg feiern. Richard Wöginger hat einen Text mit einem Kreuzweg Bild ausgeteilt. „Christus trägt das Kreuz auf seiner Schulter“, gemalt vom venezianischen Künstler Antonio Pariano. Das Besondere an diesem Bild ist der Gesichtsausdruck von Jesus. Nicht schmerzverzerrt und leidend, sondern mild, mit einem vagen Lächeln sieht er uns an. Sein Blick strahlt Sanftmut aus, keine Spur von Hass, oder Verurteilung. Der Text drückt in knappen Sätzen die Essenz der Passion Christi aus. Diese Zeit in der Kapelle gehört wohl zu jenen Momenten, die man mit Worten nicht beschreiben kann.
Wir hatten danach die Gelegenheit in der Kirche das Fastentuch „Die Frau am Jakobsbrunnen“, gemalt von Sieger Köder zu bewundern.
Das Mittagessen war ausgesprochen gut und wir nutzten die Zeit zum fachlich-kreativen Austausch mit unseren Kolleginnen und Kollegen.
Danach fuhren wir zur Piaristenkirche, wo wir schon wartete wurden. Die Führung begann vor dem Eingang, der wegen Baumaßnahmen verschlossen war. Wir erfuhren nicht nur die wichtigsten geschichtlichen Eckdaten dieses sakralen Bauwerkes, sondern auch eine lustige Anekdote. Als unser Kulturvermittler noch Schüler im Piaristengymnasium war und seinerzeit noch ein Türmer in der Türmer Stube sein Dasein fristete, ließen es sich seine Schulkameraden und er nicht nehmen, justament um „Halb“, also wenn der große Zeiger der Turmuhr auf 6 Uhr stand, auf den Knopf der Klingel des Türmers zu drücken. Weil aber genau oberhalb der Ziffer 6 das Fenster der Türmer Stube war und um „Halb“ dann der große Zeiger das Fenster überdeckte, konnte der Türmer nicht nach unten schauen, wer denn da etwas von ihm wolle. Es blieb ihm nichts anderes übrig, als die vielen Stufen herunter zu laufen.
Ich denke den Fortgang der Geschichte brauche ich hier nicht näher auszuführen.
Sehr beeindruckend war die Krypta, in der wir bei Kerzenschein Unmengen an Knochenbergen bestaunten. Das Resümee einer umsichtigen und vorausschauenden Kollegin, war: „Das wird schwierig werden bei der Auferstehung, bis da jeder seine Gebeine beieinanderhat?!“
In der Sakristei waren wir dann in unserem Element, obwohl für einige von uns die Größe des Raumes und die opulente Möblierung eher ungewohnt sind. Fließwasser ist allerding hier ein unerreichter Luxus. Das prächtig ausgeführte Lavabo dürfte nicht in Gebrauch sein. Notfalls hilft man sich mit Mineralwasserflaschen aus. Von der Sakristei ging es weiter in den Chorraum der Kirche, hier erklärte uns der Kulturvermittler die aktuellen baulichen Maßnahmen, die Heiligenfiguren, das große Altarbild und besonders die Steinmetzzeichen und den Zusammenhang mit der Dombauhütte zu St. Stephan.
Erfreulicher Weise wurden wir nach der Führung zu Kuchen und Kaffee eingeladen. So fand dieser lehrreiche und besinnliche Einkehrtag einen gemütlichen Ausklang.
Mit Dankbarkeit im Herzen und bestärkt für unsere Aufgaben in unseren Pfarren fuhren wir wieder nach Hause.
Anita Zach, Mesnerin in Raabs an der Thaya