Arbeitsgemeinschaft Deutschsprachiger Sakristanenverbände


Bericht zur ADS-Delegiertenversammlung 2020

 

Gott in fünf Sprachen erfahren

Internationale Mesnerversammlung tagte im Januar 2020 in Köln und befasste sich unter anderem mit dem Arbeitstitel „Das Auge betet mit“. Vertreter aus den deutschsprachigen Diözesen trafen sich dazu im Kloster Steinfeld bei Köln zu ihrer jährlichen Delegiertenversammlung.

 

An die vierzigtausend Frauen und Männer versehen in den deutschsprachigen Diözesen Europas einen Mesnerdienst. Ihre Vertreter treffen sich regelmäßig zum Gedankenaustausch und beraten dabei berufsrelevante Themen.

 

In diesem Jahr stand die Gestaltung des Kirchenraumes im Mittelpunkt. Bernd Steiner, Floristmeister und Inhaber eines Blumenladens in der Kölner Innenstadt, informierte die Tagungsteilnehmer über zeitgemäße Möglichkeiten, Kirchenräume zu schmücken und auf die jeweiligen geprägten Zeiten des Kirchenjahres Rücksicht zu nehmen. Dabei konnte er auf seine vierzehnjährige Erfahrung, die er im Hohen Dom zu Köln sammeln konnte, zurückgreifen und viele Tipps aus der daraus gewonnen Praxis weitergeben. Besonders beeindruckten Bilder von vertikalen Blumenarrangements, die den Kölner Dom zu einem außerordentlichen Anlass schmückten. Neue Techniken die dafür angewandt wurden, stießen auf großes Interesse bei den Tagungsteilnehmer/innen.

 

Msgr. Dr. Walter Juen zitierte in seinem geistlichen Impulsreferat den Mystiker Bruder David Steindl-Rast OSB, mit den Worten „Gottes unerschöpfliche Poesie gelangt in fünf Sprachen zu mir: sehen, hören, riechen, fühlen und schmecken.“ Er vertiefte die Bedeutung aller Sinne, um Gott zu erfahren, und wies darauf hin, dass auch der Mesnerdienst dazu beiträgt, diese Gotteserfahrung in unseren Kirchen zu ermöglichen.

 

Heilige sind Menschen, deren Leben als vorbildlich erachtet wird und die besonders verehrt werden. In den Reihen der Mesner ist es das Ehepaar Franz und Franziska Jägerstätter, die während des NS-Regimes der Macht des Bösen widersprochen haben. Der Film „Ein verborgenes Leben“ von Terrence Malick basiert auf der Biographie der kleinen Familie Jägerstätter, die auch heute noch zutiefst bewegt und wachrüttelt. Bei den Beratungen der Mesnervertreter wurde der Film, der in diesem Jahr in die Kinos kommt, vorgestellt.

 

In den Berichten der Mitgliedsverbände wurde deutlich, mit welchem Engagement in den vielen Diözesen der Mesnerdienst durch fachliche und spirituelle Impulse gefördert wird. Ein vielseitiger Beruf erfordert demnach auch eine vielseitige Form der Weiterbildung. Der kameradschaftliche Zusammenhalt wird ebenfalls gefördert. Eindrücklicher Beweis dafür ist der „Verein Kölner Küster“. Im Jahre 1880 schlossen sich die Küster der Kölner Altstadtpfarreien zu einer Gemeinschaft zusammen, in der die kollegiale Geselligkeit und der kölsche Humor gepflegt wurden. Auch über das eine oder andere berufliche Problem tauschte man sich bei einem gepflegten Kölsch in der Runde aus, was sich bis heute in einem monatlichen Treffen fortsetzt.

 

Gastgeber Michael Heyrichs und Ralph Hövel organisierten ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm, welches die internationalen Tagungsgäste in die Kerzenfabrik Schlösser und nach einem kurzen Stadtspaziergang in den Hohen Dom zu Köln führte. Erbaut wurde der Kölner Dom ursprünglich als „Schatulle“ für die Reliquien der Heiligen Drei Könige. Noch heute ist der Dreikönigsschrein die größte „Sehenswürdigkeit“ im Dom. Gewidmet ist der Dom jedoch dem Heiligen Petrus, unter dessen Patronat er steht. Ein Blick hinter die Kulissen, sprich in die Sakristei, sowie ein Gespräch mit dem Domküster, waren Höhepunkte des Nachmittages und ermöglichten einen Einblick in das turbulente Leben und Arbeiten auf und hinter den altehrwürdigen Gemäuern.

 

Der Tagungsort, das Kloster Steinfeld, liegt in der Eifel und somit in der Diözese Aachen. Die Delegierten freuten sich sehr, dass sich der Bischof von Aachen, Dr. Helmut Dieser, für eine Messfeier Zeit nahm. Das gemeinsame Abendessen bot reichlich Gelegenheit, mit ihm und untereinander ins Gespräch zu kommen. 

 

Dank der Gastgeber konnten die Delegierten zur ADS-Tagung nicht nur Gott in fünf Sprachen erfahren, sondern auch das profane Leben. Es gab viel Neues und Interessantes zu sehen, etwas bei einer Besichtigung einer Kerzenfabrik,  Aufmunterndes und Stärkendes zu hören, anregende Düfte zu riechen und Köstlichkeiten zu schmecken. Dank der hervorragenden Unterkunft und der unterschiedlichsten Erlebnisse fühlten sich alle rundum wohl und aufgehoben. Für all das danken wir dem Organisationsteam des ZKD.

Die nächste Tagung findet 2021 in Dillingen an der Donau statt, wo die Arbeitsgemeinschaft der Süddeutschen Mesnerverbände die Gastgeberin sein wird. 

 

Martin Salzmann