Pilgersegen

Gott bricht auf mit uns.
In der Verheißung an Abraham und in der
Sehnsucht der Jüngerinnen und Jünger.
Gott wandert mit.
Mit seinem Volk durch die Wüste und
seiner Kirche durch schwere Zeiten.
Er begleite auch dich auf deinem Weg.
Gott schlägt unter uns sein Zelt auf.
Ist den Menschen in Krisen nahe und
wird in Jesus Christus Mensch, wie wir.
Er sei auch dir nahe, wenn du unterwegs bist.

Gott erwartet uns.
Er ist das Ziel am Ende der Zeiten,
das Hoffnung gibt.

Herzlich Willkommen bei der Österreichischen Mesner Gemeinschaft

Auf unserer Homepage finden sie / findest du viele Informationen und wissenswertes über unsere Gemeinschaft.

Er lasse auch dich gut ankommen und
lasse dich verwandelt zurückkehren in deinen Alltag.
So segne dich Gott, der „ich bin da“ –
Vater, Sohn und Heiliger Geist.


Text: Reinhard Stiksel,
Bibelwerk Linz

Mesnergebet

Jesus, mein Herr und mein Gott, ich liebe dein Haus, die Wohnstätte deiner Herrlichkeit. Vermehre meinen Glauben und meine Liebe und dadurch die Ehrfurcht vor deiner heiligen Gegenwart. Mit Freude will ich jeden Tag hintreten zum Hause des Herrn. Möge die Glut meines Herzens wie das Ewige Licht brennen. Lass mein Gebet wie Weihrauch zu dir emporsteigen. Der Eifer für dein Haus möge mich so verzehren, dass ich täglich würdig, aufmerksam und andächtig meinen erhabenen Dienst ausübe und dadurch mein ganzes Benehmen deine Ehre und Glorie fördere, mich selbst heilige und andere erbaue.
Amen.

Kirche ist Weggemeinschaft

Der Festtag des hl. Jakobus wird am 25. Juli gefeiert. Auf Grund der Corona-Pandemie hat Papst Franziskus das Heilige Jakobusjahr bis 2022 verlängert.


Es ist notwendig, dass wir uns in der Nachfolge Jesu immer wieder auf den Weg machen. Christsein ist ein „sitzender Beruf“. Es bedeutet Aufbruch aus der Komfortzone, um nicht als übersättigte Wohlstandsbürger im Herzen unbeweglich zu werden. 

Abraham musste aufbrechen, um zum Vater des Glaubens für uns alle zu werden. Und das von ihm gegründete Volk hat Gott unterwegs erlebt – ausschließlich in der Haltung des Aufbruchs. Einer selbstgenügsamen Sesshaftigkeit zu verfallen, war die eigentliche Versuchung Israels. In den ausgedehnten Phasen des Wohlstands mehrte sich nicht nur das Eigentum, sondern Gott selbst wurde als Besitzstand missverstanden. Doch Gott lässt sich nicht „haben“. Niemals. Um mit ihm in Gemeinschaft zu sein, müssen wir aufbrechen. Gott selbst hat sich auf den Weg zum Menschen gemacht, leidenschaftlich alle Verlorenen suchend. Im Auftreten und in der Verkündigung Jesu ist dies ganz deutlich geworden. Er hat seine Jünger gerufen, ihren Beruf und ihren Besitzstand zurückzulassen, um ihm zu folgen. Sie waren mit ihm unterwegs in vielen Dörfern und Städten Palästinas und letztlich auch auf dem Weg nach Jerusalem, wo er bis zum Kreuzestod dem „Weg seiner Liebe“ treu blieb. Sie haben Jesus erlebt als den immer jungen Gott, der allen nachgeht, um sie zum himmlischen Vater zu führen. Und nach seiner Auferstehung hat Jesus seine durch Angst verstörten Jünger wieder gesammelt. Unerkannt war er auf dem Weg nach Emmaus mit ihnen unterwegs, hörte ihnen zu und überraschte sie beim Brechen des Brotes. Immer wieder hat er sie in ihrer Verzagtheit aufgesucht und ihnen versprochen, immer mit ihnen zu sein. Vor allem hat er die Sendung erneuert, die er ihnen schon vor seinem Tod zugemutet hat: „Geht, heilt und verkündet!“ Geht! Das Pilgern ist wie ein Symbolbild dafür. Beim Pilgern geht es bekanntlich nicht zuerst um eine körperliche Herausforderung, sondern um einen Weg nach innen – um einen Weg zur eigentlichen Quelle unseres Lebens und um einen Weg, der uns für Gottes Gegenwart und füreinander öffnet. Unterwegs entfaltet sich der Glaube. Ganz natürlich, durch alle Herausforderungen und Unsicherheiten hindurch – oftmals gerade aufgrund der kleinen und größeren Schwierigkeiten und Unannehmlichkeiten. Wirkliche Pilger sind in Gemeinschaft unterwegs oder allein – aber niemals nur für sich. Ganz bewusst oder spontan bildet sich eine „Weg-Gemeinschaft“, man begegnet sich, beschenkt sich gegenseitig gebend und empfangend. Diese Verbundenheit drückt sich vor allem in einem einfachen gemeinsamen Gebet aus, in der Feier der Liturgie und in der Stille. Pilgern ohne Wegabschnitte in Stille, die den inneren Resonanzraum für Gott öffnet, verkommt zu einer physischen Ertüchtigung. Erst die innere Öffnung kann Raum schaffen, um sich von Gottes Gegenwart in neuer Weise bewohnen zu lassen – und auch Raum zu schaffen für die Sorgen und Anliegen der Menschen unserer Zeit. Wer sich ehrlichen Herzens auf den Weg macht, wird bald auch in seinem Herzen die Verbundenheit mit vielen Menschen spüren. „Nimm mich mit!“ Wer kennt nicht diese Bitte von Arbeitskollegen und Nachbarn, wenn sie erfahren, dass jemand einen Pilgerweg antritt. Nimm mich mit! Das heißt: Schließ mich in dein Denken und Beten ein. Pilgern ist ein solidarisches Unterwegssein – es wächst eine innere Gemeinschaft mit allen, die auf ihren Lebenswegen Schweres zu ertragen haben. Wer kennt denn nicht aus dem eigenen Leben die Momente der Unsicherheit, der Fehltritte und falschen Entscheidungen? Durch alle Nöte und Gefahren hindurch entfaltet sich der Weg des Pilgers. Manchmal ist es auch notwendig, umzukehren, weil man sich vergangen hat. Auch ein schönes Bild: Nur mit der Bereitschaft zur Umkehr können wir unser Leben erneuern. Das meint nicht zuerst eine übermenschliche Anstrengung, sondern eine Aufmerksamkeit auf Gott, der uns längst schon erwartet. Er hilft uns, einen neuen Weg zu beschreiten – und manchmal dafür die alten Trampelpfade unguter Verhaltensweisen, ungesunder Gewohnheiten und unüberlegter Reaktionen zu verlassen. Umkehr zum Leben! Auf dem Weg wird einem vieles bewusst, was im alltäglichen Getriebe nicht an die Oberfläche kommt. So mancher Mensch, der sich auf den Weg macht, erschrickt, weil er doch sehr viele Altlasten mit sich trägt – Bitterkeit und Enttäuschungen, Vorwürfe und Unversöhntes. Beim Gehen kommt so einiges hoch. Viele schaffen es, diese Dinge nicht erneut zu verdrängen, sondern anzuschauen, mit jemandem zu besprechen und sie auch Gott vorzulegen. Pilgern ist ein Weg der Umkehr mit einer Reinigung des Herzens. Jesus schenkt allen, die zu ihm kommen, einen Neubeginn. Ganz besonders geeignet ist dafür das Sakrament der Versöhnung. Welch ein Trost, wenn jemand eine uralte Schuld ablegen kann! Ich habe als Priester auf Wallfahrten und Pilgerwegen Wunder des Neubeginns im Zusprechen von Vergebung erlebt. Ja, tatsächlich kann sich auf dem Weg auch ein Weg retour in die Kirche bzw. hin zu den Sakramenten wieder eröffnen. Ich wünsche allen, die sich heuer auf den Weg machen, eine ganz besonders gesegnete Weg-Erfahrung. Der Apostel Jakobus soll uns weiterhin ein geistlicher Trainer und Begleiter sein, dass wir den Wegcharakter unseres Glaubens neu entdecken und das Ziel unseres Lebens nicht aus den Augen verlieren. Und auf die Fürsprache unseres Diözesanpatrons Petrus Canisius mögen – unterwegs – viele Herzfeuer entzündet werden, Herzfeuer erneuerten Glaubens und der tröstenden Zuwendung zu unseren Nächsten.


Text: Bischof Hermann Glettler Fotos: Aichner/dibk.at, Beatrix Stiksel